Smart Ring ohne Abo: der RingConn Gen 3 nach zwei Monaten Alltag
Seit zwei Monaten sitzt der RingConn Gen 3 an meinem Finger, davor trug ich den Gen 2. Der reguläre Preis liegt gerade bei 369€ inkl. Versand bei Amazon.
Ein Abo verlangt RingConn wie gehabt nicht. Wirklich neu am Gen 3 sind überarbeitete Sensoren, Blutdruck-Trends und ein Vibrationsmotor, der bei mir allerdings nur selten das tut, was er soll.
Technische Daten
- Gehäuse: Titan, nur 2,3mm dick
- Gewicht: 2,5g bis 3,5g je nach Größe
- Größen: 6 bis 15
- Sensoren: Herzfrequenz, HRV (Herzfrequenzvariabilität), SpO2 (Blutsauerstoffsättigung), Atemfrequenz, Hauttemperatur, Beschleunigungsmesser
- Akku: 11 bis 14 Tage ohne Vibrationsalarme, 10 bis 12 Tage mit
- Ladecase: liegt bei, speichert mehr als ein Dutzend Vollladungen
- Wasserdichtigkeit: IP68 und 10ATM
- Abo: keines, alle Funktionen ab Werk enthalten
- Vibration: nur für Gesundheitswarnungen, Wecker und Erinnerungen
- Neu gegenüber Gen 2: Vibrationsmotor, Blutdruck-Trends, Offline-Speicher für 10 statt 7 Tage
Tragekomfort
Smartwatches sind nicht mein Ding, und genau deshalb sitzt bei mir überhaupt ein Tracker an der Hand: Ein Ring verlangt keine Aufmerksamkeit, er ist einfach da. Der Gen 3 wiegt je nach Größe zwischen 2,5g und 3,5g, trägt gerade einmal 2,3mm auf und ist in den Größen 6 bis 15 zu haben, die ihr vorher sauber ausmessen solltet. Nach den ersten Stunden hatte ich ihn vergessen, und daran hat sich in zwei Monaten nichts geändert, er ersetzt übrigens meinen Ehering, daher war mir die Optik schon wichtig. Die Titanschale ist mit IP68 und 10ATM abgesichert, Duschen und Spülen sind kein Thema.
Vom Hanteltraining hat er ein paar feine Kratzer mitgenommen, die auf der gebürsteten Titanoberfläche aber kaum auffallen und ohnehin nur auf der Unterseite sitzen.
Schlaf und Erholung

Die Schlafauswertung ist der Grund, warum ich den Ring überhaupt nachts trage. Er erkennt Schlafphasen, protokolliert die Zeit im Bett und nimmt auch kurze Nickerchen am Nachmittag automatisch mit, ohne dass ich etwas starten muss.
Auffällig ist allerdings, dass der Schlafscore mild urteilt: Auch eine deutlich zu kurze Nacht landet noch im grünen Bereich. Wer sich davon nicht einlullen lässt, bekommt saubere Rohdaten.
Akku und Ladecase
RingConn nennt bis zu 14 Tage, aber diese Zahl gilt nur mit abgeschalteten Vibrationsalarmen. Mit aktivierten Alarmen gibt der Hersteller 10 bis 12 Tage an, und bei mir sind es rund 11, ich habe aber auch die dauerhafte Verbindung eingestellt. Gegenüber dem Gen 2 hat sich damit nichts verbessert, der lief ebenfalls 10 bis 12 Tage.
Das Ladecase liegt bei, speichert mehr als 10 Vollladungen und macht die Steckdose für Monate überflüssig. Ich lade den Ring etwa dreimal im Monat nebenbei, und leer war er nachts noch nie.
Gesundheitsfunktionen
Neben dem Schlaftracking ist der Schrittzähler die Funktion, die ich täglich anschaue, und er arbeitet zuverlässig. Er läuft den ganzen Tag mit, ohne dass ich etwas starten muss, und liefert Zahlen, an denen ich nichts zu meckern habe. Das klingt unspektakulär, ist aber genau der Grund, warum ich den Ring überhaupt tagsüber trage.
Das Schlafapnoe-Screening sammelt drei Nächte, bevor es den ersten Bericht ausgibt, und schlägt nicht bei jeder unruhigen Nacht Alarm, was ihm den Panikfaktor nimmt. Neu sind die Blutdruck-Trends, die aus Mustern der Gefäßbelastung ein Bild über längere Zeit zeichnen, brauchbar aber erst werden, wenn ihr sie mit einer echten Oberarmmanschette kalibriert, und diese Voraussetzung steht im Kleingedruckten.
Vibration und Benachrichtigungen
Der Vibrationsmotor ist die auffälligste Neuerung des Gen 3, und er ist enger gefasst, als viele erwarten. RingConn nutzt ihn ausschließlich für Gesundheitswarnungen. Nachrichten vom Smartphone leitet der Ring grundsätzlich nicht weiter, wer also den Blick aufs Handy sparen möchte, liegt hier falsch. Ärgerlicher finde ich, dass selbst die vorgesehenen Signale bei mir unzuverlässig ankommen: mal spüre ich sie, mal nicht. Ein Feature, auf das ich mich nicht verlassen kann, ist im Alltag so gut wie keins.
Sport
Im Alltag wirken die Pulswerte plausibel und stabil. Beim intensiven Training verliert der optische Sensor allerdings die Spitzen: Der Durchschnitt stimmt, die kurzen Ausschläge im Intervall fehlen. Für Spaziergänge, Radtouren und moderates Ausdauertraining reicht das völlig. Wer sein Training nach Herzfrequenzzonen steuert, kommt um einen Brustgurt nicht herum. Ein Ring ersetzt keinen Sportcomputer, und der Gen 3 gibt auch nicht vor, einer zu sein.
Vergleich
Der Sprung vom Gen 2 auf den Gen 3 ist kleiner, als die Produktseite vermuten lässt. Akku, Tragekomfort und Abofreiheit waren schon vorher da, wirklich neu sind Vibrationsmotor, Blutdruck-Trends, die überarbeiteten Sensoren und der auf zehn Tage vergrößerte Offline-Speicher.
Wer einen funktionierenden Gen 2 trägt, hat keinen zwingenden Grund zu wechseln. Am Markt liefert der Oura Ring die feinere Auswertung, verlangt dafür aber ein Abo von knapp 6€ im Monat, was sich über zwei Jahre auf rund 140€ summiert. Samsungs Galaxy Ring lohnt sich fast ausschließlich für Galaxy-Nutzer, weil er seine Stärken nur im eigenen Ökosystem ausspielt.
Stärken und Schwächen
Stärken:
- Kein Abo, alle Funktionen ab Werk enthalten
- Rund 12Tage Laufzeit, dazu ein Ladecase für Monate
- Schrittzähler arbeitet zuverlässig und ohne Zutun
- Man vergisst ihn am Finger, Gebrauchsspuren fallen kaum auf
- Schlafapnoe-Screening urteilt besonnen statt alarmistisch
Schwächen:
- Vibrationssignale kommen unzuverlässig an
- Keine Weiterleitung von Smartphone-Benachrichtigungen
- Pulsspitzen beim intensiven Training fehlen
- Blutdruck-Trends brauchen eine externe Manschette
Fazit
Nach zwei Monaten bleibt der Gen 3 an meinem Finger, aber nicht wegen seiner neuen Funktionen. Er bleibt, weil RingConn nichts von dem kaputt gemacht hat, was schon den Gen 2 gut machte: kein Abo, lange Laufzeit, ein Ring, den man vergisst, und Schritt- und Schlafdaten, auf die ich mich verlasse. Der Vibrationsmotor ist ein Versprechen, das die Software bislang nicht einlöst, und die Blutdruck-Trends verlangen mehr Vorarbeit, als die Verpackung ahnen lässt. Wer neu einsteigt, bekommt hier den vernünftigsten Smart Ring ohne laufende Kosten. Wer schon einen Gen 2 trägt, darf ihn ruhig weitertragen.
Ob sich der Ring für euch rechnet, hängt weniger am Kaufpreis als daran, ob euch die Auswertung reicht. Mir reicht sie seit zwei Monaten, auch wenn mich die auffälligste Neuerung bisher enttäuscht.
Euer Doc
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