Vodafone Pass vs. Telekom StreamOn: Unlimitiertes Streaming im mobilen Netz

Update Update am 15.07.2019: Das Oberverwaltungsgericht MĂŒnster urteilt, dass StreamOn in dieser Form rechtswidrig ist, da es gegen die NetzneutralitĂ€t verstĂ¶ĂŸt! (Quelle: Spiegel Online)

Nun werden wir sehen mĂŒssen, wie die Telekom damit umgeht und ihre Tarife anpasst – und ob damit auch VodafonePass vor dem Aus steht, was wir ja auch schon im Ratgeber-Artikel Verstoß gegen die NetzneutralitĂ€t? angesprochen hatten.

Das Internet boomt, und – genau wie ihr wahrscheinlich selbst auch – sind immer mehr Nutzer vom Smartphone oder Tablet im Netz unterwegs. Das Problem: Das oft sehr beschrĂ€nkte Highspeed-Datenvolumen fĂŒhrt dazu, dass viele User bereits vor Ablauf des Monats ohne Datenvolumen dastehen. Die Folge: Es muss mit geringer Geschwindigkeit gesurft oder teuer nachgebucht werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, hat die Telekom vor einiger Zeit schon den StreamOn-Service vorgestellt. Die Idee: Zugriff auf verschiedene Dienste, ohne das Datenvolumen zu verbrauchen. Nun zieht Vodafone mit dem Vodafone Pass nach.

Was ist der Vodafone Pass?

Der Vodafone Pass erlaubt den Usern, auf bestimmte Apps und Bereiche des Internets zuzugreifen, ohne dass dafĂŒr das Datenvolumen verbraucht wird. So bietet zum Beispiel der Social-Pass Zugang zu sozialen Netzwerken, der Chat-Pass funktioniert fĂŒr Messaging Apps, der Music-Pass fĂŒr Musik- und der Video-Pass fĂŒr Videodienste.
Folgende Apps sind zum Start in den PĂ€ssen integriert:

  • Chat-Pass: Facebook Messenger, Telegram, Threema, Viber, Vodafone Message+, WhatsApp
  • Social-Pass: Facebook, Instagram, Pinterest, Twitter
  • Music-Pass: Apple Music (neu), Amazon Music Unlimited/Prime Music, Deezer, I Love Radio, Napster, Soundcloud, Spotify (neu), Tidal
  • Video-Pass: Amazon Prime Video, Netflix, Sky Go, Sky Ticket, Vevo, Vodafone GigaTV

Vodafone Pass

Dabei fĂ€llt direkt auf: Youtube fehlt in der Liste! Und wie sinnig ein Chat-Pass wirklich ist, bei dem viel Text und wenig Bild/Video/Musik ĂŒbertragen wird, ist nochmal eine andere Sache.
Durch den Vodafone Pass sollen Nutzer in der Lage sein, ihr Datenvolumen zu konservieren, da die im Pass enthaltenden Anwendungen keine Daten verbrauchen. Jeweils ein Vodafone Pass kann kostenlos zu den Tarifen hinzugebucht werden. Weitere PĂ€sse sind gegen einen monatlichen Preis von 5€ (Chat-, Social, Music-Pass) bis 10€ (Video-Pass) erhĂ€ltlich. Wohlgemerkt: Es geht hier nur ums Streaming! Die MonatsgebĂŒhr der Streaming-Dienste wird mit dem jeweiligen Pass nicht angedeckt.

Gilt der Vodafone Pass auch im Ausland?

Leider nein, der Vodafone Pass kann ausschließlich im Inland genutzt werden.

Die 30 besten Handytarife

Telekom StreamOn vs. Vodafone Pass

Bereits seit April 2017 ist die Telekom mit ihrem StreamOn-Angebot im Netz. Doch wie unterscheiden sich die beiden Pakete von Vodafone und der Telekom?

Telekom StreamOn

Bei StreamOn handelt es sich um ein reines Streaming-Paket fĂŒr Musik, Videos und/oder Gaming. Das heißt, Kunden können Musik hören oder Videos schauen, ohne dabei das Datenvolumen zu verbrauchen. Es gibt dabei vier Pakete: StreamOn Music, StreamOn Music&Video, StreamOn Music&Video Max und neuerdings auch StreamOn Gaming.

Telekom StreamOn Optionen
Die vier Telekom StreamOn Modelle

Genial: Telekom Stream On könnt ihr je nach Tarif kostenlos zu eurem MagentaMobil-Handytarif hinzubuchen. Diese Pakete sind in den jeweiligen Tarifen kostenlos enthalten:

  • Stream On Music: Musik-Streaming bei Magenta Mobil M, S Young und Family Card M
  • Stream On Music & Video: ab MagentaMobil L / L Young, M Young und Family Card L
  • Stream On Music & Video Max (HD-QualitĂ€t): mit MagentaEINS ab MagentaMobil M/M Young
  • Stream On Gaming: kostenlos bei allen Young-Tarifen (ab MagentaMobil XS Young), sonst 2,95€/Monat
  • Gilt fĂŒr Bestands- und Neukunden
  • Die Option ist wohl nur in DE nutzbar
  • Spotify ist auch inklusive!

Hier alle Musik- und Video-Partner, Stand 23.01.2018, jeweils ĂŒber http://www.telekom.de/streamon einsehbar:

Telekom StreamOn Music & Video
Zum VergrĂ¶ĂŸern auf das Bild klicken

Vodafone Pass im Vergleich zu Telekom StreamOn

Der Vodafone Pass hingegen ist fĂŒr verschiedene Bereiche verfĂŒgbar. So gibt es auch hier zwar einen Musik- und einen Video-Pass, aber es gibt darĂŒber hinaus auch PĂ€sse fĂŒr soziale Netzwerke und den Chat. Das macht den Vodafone Pass deutlich flexibler und fĂŒr den Kunden interessanter. Vor allem, wenn man nicht regelmĂ€ĂŸig Musik- und Video-Dienste nutzt.

Außerdem unterscheidet sich der Vodafone Pass von Telekom StreamOn auch dadurch, dass mehrere PĂ€sse hinzugebucht werden können. Bei StreamOn muss der Kunde sich fĂŒr eines der drei Pakete entscheiden. Vodafone hingegen ermöglicht es, alle vier PĂ€sse gleichzeitig zu buchen. Ein Pass ist dabei immer inklusive, die anderen haben eine GebĂŒhr von 5€ oder 10€ (Video-Pass) im Monat. Seit Januar 2018 ist es auch möglich, den Vodafone Pass monatlich zu Ă€ndern, sollten sich der Bedarf oder das Interesse der Kunden Ă€ndern.

Der Vodafone Pass – Verstoß gegen die NetzneutralitĂ€t?

Wie bereits bei StreamOn muss nun auch Vodafone sich mit seinem Pass-Modell heftiger Kritik stellen. VerbraucherschĂŒtzer sehen in diesem auch Zero-Rating genannten Verfahren einen Verstoß gegen die NeutralitĂ€t des Netzes. Der Grund: Die Anbieter entscheiden selbst, welche Dienstleister sie in diese Tarife aufnehmen und legen zudem die Bedingungen fĂŒr eine Aufnahme fest. Das benachteiligt andere Unternehmen, die sich aufgrund einer geringen GrĂ¶ĂŸe, weniger Cashflow oder fehlender technischer Voraussetzungen nicht an dem Dienst beteiligen können.

Hinzu kommt, dass die Anbieter von solchen Paketen sich öffentlich sehr geschlossen dazu halten. Es ist nur wenig darĂŒber bekannt, welche Voraussetzungen ein Unternehmen erfĂŒllen muss, um als Partner akzeptiert zu werden und welche Vereinbarungen und Kosten entstehen. Es wurde jedoch inzwischen bekannt, dass das finanzielle Risiko mitunter sehr hoch sein soll. Außerdem scheinen die Betreiber den Unternehmen einige strenge Auflagen zu machen, sodass sich viele Unternehmen und Dienstleister, darunter zum Beispiel auch Vimeo, gegen eine Teilnahme am Vodafone Pass und Ă€hnlichen Diensten entschieden haben.

VerbraucherschĂŒtzer sehen es als sinnvoller an, statt der EinfĂŒhrung von Zero-Rating Diensten wie dem Vodafone Pass lieber neue Tarife mit grĂ¶ĂŸerem Datenvolumen zu fairen Preisen anzubieten. So können die Nutzer das gesamte Netz neutral und ohne EinschrĂ€nkungen besuchen.

Außerdem problematisch: Der Vodafone Pass verbraucht zwar kein Datenvolumen, aber wenn dieses jedoch durch andere Applikationen vor Ablauf des Monats aufgebraucht wird, gilt die begrenzte Geschwindigkeit auch fĂŒr den Vodafone Pass. Der Kunde zahlt also unter UmstĂ€nden (bei mehreren PĂ€ssen) fĂŒr etwas, das er gar nicht bekommt.

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Vodafone Pass auch fĂŒr Bestandskunden kostenlos?

Leider scheint das nicht der Fall zu sein. Der Vodafone Pass wird mit speziellen, neuen Tarifen eingefĂŒhrt und nur Vodafone-Neukunden sowie Kunden, die eine VertragsverlĂ€ngerung vornehmen, zur VerfĂŒgung stehen. Zum einen gibt es den Pass in den Vodafone Red Tarifen, zum anderen in den Young Tarifen fĂŒr junge Kunden mit einem Alter von bis zu 27 Jahren.

Die neuen Smartphone-Tarife mit Vodafone Pass

Die neuen Red- und Young-Tarife sind seit 25. Oktober 2017 verfĂŒgbar. Bestandskunden können daher vermutlich einen Pass höchstens gegen einen Aufpreis hinzubuchen oder einen vorhandenen Tarif zu Red oder Young wechseln (was einer VertragsverlĂ€ngerung gleichkĂ€me). Auf diese Weise haben sie das Recht, einen der vier Vodafone PĂ€sse zu wĂ€hlen. Die einzige Ausnahme bildet der Video Pass. Diesen kann man erst ab den Tarifen Young / Red M als Inklusiv-Pass auswĂ€hlen. Wird er extra hinzugebucht, betragen die Kosten hier 10€ statt der ĂŒblichen 5€.

Provider-Kunden im Vodafone-Netz

Es gibt neben Vodafone selbst auch einige weitere Provider, die Tarife im Vodafone-Netz anbieten. Tarife im Vodafone-Netz kommen u.a. von der Vodafone-Tochtergesellschaft Otelo, aber auch von Providern wie mobilcom debitel, Klarmobil, Freenetmobile oder 1&1. Kunden dieser Provider können, solange nicht anders deklariert, den Vodafone-Pass aktuell nicht dazubuchen (Stand: Jan. 2018).

Eine Ausnahme könnte es in Zukunft bei den Tarifen von mobilcom debitel geben, die der Provider fast identisch zu den Original-Vodafone-Tarifen abbildet (also mobilcom debitel Vodafone Red und mobilcom debitel Vodafone Young).

Fazit

Der Vodafone Pass dĂŒrfte sicherlich den ein oder anderen Kunden erfreuen. Er hilft dabei, das Datenvolumen zu schonen und so lĂ€nger mit voller Geschwindigkeit im Netz surfen zu können. Dieser Luxus hat jedoch seinen Preis: Es scheint einen klaren Verstoß gegen die NetzneutralitĂ€t zu geben – die Bundesnetzagentur ermittelt. Es könnte also durchaus passieren, dass der Vodafone Pass und vergleichbare Dienste in Zukunft verboten werden oder grundlegend geĂ€ndert werden mĂŒssen. Bis dahin können Verbraucher, die Apps des Passes nutzen dennoch von dem Angebot profitieren.

DecemberIsland

04.10.2017, 21:15 #

NetzneutralitĂ€t ist so wichtig wie die Freiheit des Menschen. Es kann nicht sein, dass Internet-Provider ĂŒber die Inhalte entscheiden, auf die wir zugreifen können.

schmat

04.10.2017, 21:33 #

Hier kann ich DecemberIsland nur beipflichten, auch wenn es oberflÀchlich betrachtet erstmal nett aussieht, das ist ein erster Schritt der Netzbetreiber die NetzneutralitÀt auszuhebeln. Hier kann man nur hoffen, dass diese "Angebote" schnell verboten werden.

Ben Carlos

04.10.2017, 22:03 #

Einfach O2 free nutzen und bequem ohne Limit auf UMTS surfen, völlig egal ob Musik, social media, stream oder was auch immer. …. Was sollen immer diese BeschrĂ€nkungen bei t-com oder Vodafon?

MilkyPirate

04.10.2017, 23:21 #

Die Argumentation zugunsten des Vodafone Pass ist etwas hanebĂŒchen. "Bei StreamOn muss der Kunde sich fĂŒr eines der drei Pakete entscheiden. " Das mag sein. Nur ist in den höheren Varianten die jeweils vorhergehende Stufe automatisch mit enthalten. Wenn man StreamOn Music & Video Max hat, braucht man schließlich nicht mehr das normale StreamOn Music. Angesichts der besseren VerfĂŒgbarkeit von Streamingdiensten stellt StreamOn daher den klaren Gewinner dar. Wer braucht schon unbegrenztes Volumen fĂŒr Chats?

Berndt

05.10.2017, 07:17 #

GrundsÀtzlich:Geht so etwas nicht einfach und ohne viele Fallstricke zu machen???

SunSurfer

05.10.2017, 11:09 #

das telekom stream on nutze ich gerne fĂŒrs icehockey unterwegs – super sache, alles andere nutze ich eh nicht.

Soukee

06.10.2017, 20:19 #

Ist ja eigentlich kein richtiger Vergleich, da viel mehr auf Vodafone eingegangen wird als auf Telekom….
Zum Beispiel wĂ€re gut zu wissen, dass StreamOn Max bei Magenta eins ab Paket M mit enthalten ist – ohne extra Kosten.
Stream On ist generell kostenfrei zubuchbar, aber nicht bei allen tĂ€tigen erhĂ€ltlich. Das ist ein Vorteil ggĂŒ. Vf, jedenfalls fĂŒr die grĂ¶ĂŸeren Pakete.

krofisch

16.07.2019, 20:35 # hilfreich

@DealDoktor:
Stellungnahme Telekom:
"Erstmal liefern wir ein Statement. Wir werden jetzt prĂŒfen, wie wir mit dem Urteil umgehen. Wir erwarten, dass die @bnetza (Bundesnetzagentur) durch eine angemessene Umsetzungsfrist die nun erforderlichen Anpassungen ermöglicht. Von der RechtmĂ€ĂŸigkeit von StreamOn sind wir weiter ĂŒberzeugt und werden auch zukĂŒnftig alle rechtlichen Mittel ausschöpfen. Wichtig ist: Wir bieten StreamOn weiter an und es wird keinen Aufpreis geben."

Kommentarbild von krofisch

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