Warum man bei zu guten Smartphone-Angeboten aufpassen sollte

Wenn man öfters mal auf Deal- und Preisvergleich-Seiten wie idealo & Co. unterwegs ist, trifft man gerade bei Smartphones irgendwann auf Angebote, die zu gut erscheinen, um wahr zu sein. Meistens stammen diese Angebote von eBay, real, Rakuten oder Gebrauchtwarenverkäufern wie asgoodasnew, cleverbuy etc. und liegen 20€ bis 50€ unter den Preisen bei Amazon, Saturn/MediaMarkt, NBB und Co. Doch wie kommen diese günstigeren Preise zustande und warum ist hier teilweise Vorsicht geboten?

Das Zauberwort heißt „Differenzbesteuerung“ und das will ich euch in diesem Ratgeber genauer erklären.

Samsung Galaxy S20 Cloud Blue idealo
Screenshot von idealo am 21.08.2020 (klickt zum Vergrößern)

Wie sind diese günstigen Preise möglich?

Gerade bei idealo sind die ersten und somit günstigsten Angebote meistens von eBay-Shops oder Anbietern wie Cleverbuy oder Clevertronic, buyzoxs und Co. Schaut man sich die jeweiligen Angebote dann mal etwas genauer an, findet man bei eBay in den „Rechtlichen Informationen des Verkäufers“ oder den „Artikelmerkmalen“ oder im Kleingedruckten meistens das Wort „Differenzbesteuerung„, „Differenzbesteuerung nach §25a UStG (Umsatzsteuergesetz)“ oder auch „Rechnung gemäß §25a UStG„.

Was ist die „Differenzbesteuerung“?

Die Shops/Händler kaufen die Smartphones oftmals komplett neu und originalverpackt von Privatpersonen oder Kleinunternehmen an und verkaufen sie dann weiter. Dadurch wird der Händler zum Wiederverkäufer und lediglich die Differenz zwischen Ankaufs- und Wiederverkaufspreis unterliegt der Umsatzsteuer (Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer sind übrigens dasselbe). Um die Differenzbesteuerung anzuwenden, darf der Wiederverkäufer beim Ankauf des Produkts keine Umsatzsteuer gezahlt haben – eben genau deswegen kann man als Wiederverkäufer nur von Privatpersonen, Kleinunternehmen, die nicht zur Umsatzsteuer optiert haben, und Berufsgruppen, die nicht der Umsatzsteuer unterliegen, ankaufen.

Kauft der Händler das Smartphone also für 400€ von einer Privatperson und will es dann für 500€ verkaufen, müssen nur auf 100€ die 19% (bzw. aktuell 16%) Umsatzsteuer erhoben werden. So kommen nur 19€ auf den Preis drauf statt den normalen 95€ (19% von 500€). So kann der Händler das Smartphone für uns Endkunden wesentlich günstiger anbieten und trotzdem Gewinn machen. Dabei gibt es aber Nachteile!

Apple_iPhone_i11_eBay

Nachteile für Privatkunden

Es handelt sich zwar oftmals um komplett neuwertige und originalverpackte Smartphones, die können aber aus einem Nicht-EU-Land kommen. Das ist im Alltag erstmal nicht unbedingt ein Problem, sollte man jedoch einen Garantiefall haben, könnte es sein, dass der Hersteller Nicht-EU-Geräte ausschließt. Apples Rechtsabteilung sagt dazu z.B. folgendes:

„Apple kann gegebenenfalls den Service für Apple Watch, iPad und iPhone auf den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz beschränken.“

Auch Samsung schränkt die Garantie für EU- und Nicht-EU-Geräte ein. Es gibt aber immer noch die gesetzliche Gewährleistungpflicht durch den Verkäufer, achtet also zumindest bei einem vertrauenswürdigen Händler zu kaufen.

Nachteile für Selbständige & Firmen

Die Händler dürfen bei einer Rechnung gemäß §25a UStG die die MwSt./USt. nicht gesondert auf der Rechnung ausweisen. Das hat zur Folge, dass Selbständige und Firmen sich die Mehrwertsteuer nicht als Vorsteuer erstatten lassen können.

Für Firmen und Selbständige kann es daher deutlich günstiger sein ein Smartphone für 650€ mit ausgewiesener Mehrwertsteuer zu kaufen und davon dann die 19% (123,50€) abziehen zu können als ein Smartphone für 550€ mit Differenzbesteuerung zu kaufen, von dem man nichts mehr abziehen kann.

Diese möglichen Nachteile für private und geschäftliche Käufer sind auch der Grund warum wir hier bei DealDoktor nicht immer den günstigsten idealo-Preis als Vergleichspreis nehmen, sondern erst den günstigsten „normalen“ Preis mit normaler ausgewiesener Mehrwertsteuer und einem Produkt, welches nicht zum zweiten Mal weiterverkauft wird. Wie haltet ihr das mit den sehr günstigen Angeboten? Sind euch die möglichen Risiken zu groß oder schlagt ihr auch hier zu?

froggy

30.08.2020, 17:30 #

danke für die gute erklärung 👍 mir persönlich kommt es auf die gesamtsumme an, sollte der artikel teuer bzw hochwertig sein, bspw ein neues iphone, würde ich auch den „sicheren weg“ gehen – abdernfalls könnte man es ja mal versuchen…aber dass apple geräte wirklich ablehnt ist doch nur theorie oder gibt es schon solche fälle? demnach wäre ein iphone o. ä. als mitbringsel aus den staaten ja eine denkbar schlechte idee 🤨🧐

Yoghurtsan

30.08.2020, 17:35 #

Meine Erfahrung mit Apple ist, dass das Wort Kulanz eher ganz klein geschrieben wird.

Betrifft allerdings nicht die hier oben erwähnte Situation und spiegelt gesammelte Erfahrungen vor rund drei Jahren wieder.

Staprest

30.08.2020, 18:46 #

Danke…echt top erklärt!

drmichi

30.08.2020, 19:10 #

Jip – gute Übersicht zum Thema, Danke. Hatte genau diesen Fall vor zwei Wochen, als es um ein iPhone SE ging.

bobby2008

31.08.2020, 04:47 #

Der Händler müsste doch eigentlich angeben, um welches Gerät es sich handelt, EU oder nicht EU.

Traumlos

31.08.2020, 07:38 #

Ich sehe da noch ein ganz anderes Problem! Zitat: "Die Differenzbesteuerung findet nach §25a UStG bei gebrauchten beweglichen körperlichen Gegenständen Anwendung." Für Neuware ist das gar nicht zulässig, was bedeutet, man bekommt kein echtes Neugerät oder zumindest nicht die Garantie für Neuware!

    blacksun

    04.09.2020, 18:26 #

    @Traumlos: Für Neuware ist das gar nicht zulässig, was bedeutet, man bekommt kein echtes Neugerät oder zumindest nicht die Garantie für Neuware!

    ich sehe da kein Problem.
    Nur du und der Verkäufer mit Differenzbesteuerung wissen von dem Zwischenhandel.

    Auf der Rechnung, die man evtl. bei einem Garantiefall einreichen muss, steht dass es sich um Gerät xy mit Seriennummer xy handelt.
    Und wenn dort noch drauf steht "neu", dann ist das auch nicht gelogen da es dich als Kunden nur interessiert ob es jemand anderer schonmal benutzt hat. Durch wie viele Zwischenhändler es gegangen ist, das ist doch egal.

    Wer es besonders sicher haben möchte, der fragt nach dem Erhalt des Gerätes beim Hersteller an welche Garantie das Gerät mit SN xy hat.
    Wenn einem die Antwort nicht gefällt, schickt man es wieder an den Händler zurück. Fertig.

    Übernimmt der Händler nicht grundsätzlich die Rücksendekosten, dann gibt's 2 Möglichkeiten.
    a) Er hat einfach mal so geschrieben dass es Garantie hat, dann entspricht die Ware nicht der Beschreibung und er muss das Porto zahlen
    b) vorher fragen welche Garantie es hat.

      Traumlos

      08.09.2020, 11:57 #

      @blacksun:

      Differenzbesteuerung gibt es ausschließlich nur für gebrauchte Ware, nie für Neuware.
      Egal wieviele Zwischenhändler es vorher hatten.
      Wenn also hier schon mal getrickst wird, besteht auch das Risiko, dass sich der Händler dann im Garantiefall quer stellt.
      Egal, was er eigentlich "muss".
      Dann bringt es dir nichts, wenn du eigentlich im Recht wärst.

      Und vorher alles erst umständlich mit dem Hersteller klären und dann notfalls auf eigene Kosten wieder zurücksenden – wer will das schon?

steveband

05.09.2020, 09:05 #

Gute Info! Danke😉

Mille70

12.09.2020, 22:58 #

Danke für den Bericht.

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