🏡 Die Grundsteuerreform – Was mĂŒssen EigentĂŒmer und Mieter jetzt tun?

Update Die Abgabefrist fĂŒr die GrundsteuererklĂ€rung verschiebt sich einmalig bundesweit von Ende Oktober bis Ende Januar 2023. Das haben heute [13.10.] die Finanzminister der LĂ€nder entschieden, wie die Deutsche Presse-Agentur aus LĂ€nderkreisen erfuhr. Das schafft etwas mehr Freiraum fĂŒr die Antragsteller, die durch die störrischen Systeme ohnehin benachteiligt waren.

Ihr habt sicher schon was von der Grundsteuerreform gehört. In erster Linie sind EigentĂŒmer von Immobilien oder GrundstĂŒcken gefragt, doch auch fĂŒr Mieter kann sich etwas Ă€ndern. Wir erklĂ€ren euch in diesem Beitrag, was es mit der Grundsteuer auf sich hat und wieso eine Reform notwenig wurde. 

Was ist die Grundsteuer?

Die Grundsteuer mĂŒssen GrundstĂŒckseigentĂŒmer jedes Jahr zahlen und zwar vierteljĂ€hrlich, halbjĂ€hrlich oder bei kleineren BetrĂ€gen auch einmal im Jahr. Das Geld geht an die Kommune; im Jahr sind das gute 15 Mrd. Euro. 

Es werden zwei Arten von GrundstĂŒcken besteuert und zwar landwirtschaftlich genutzte FlĂ€chen und bebaute GrundstĂŒcke, ab 2025 sollen dann auch unbebaute, aber baureife GrundstĂŒcke besteuert werden. So wollen Kommunen verhindern, dass FlĂ€chen, die eigentlich bebaut und genutzt werden könnten, zu lange leer bleiben.

Die Immobilien- bzw. GrundstĂŒckseigentĂŒmer zahlen die Grundsteuer selber an die Kommunen, die Mieter haben direkt, jedoch indirekt ĂŒber die Miete, mit der Steuer und auch der Reform nichts zu tun. 

Wie wird die Grundsteuer berechnet?

Drei Elemente fließen in die Berechnung der Grundsteuer ein: 

  • Einheitswert
  • x Steuermesszahl (vom Bund festgelegt)
  • x Hebesatz der Gemeinde

Der Einheitswert

Der Einheitswert setzt sich unter anderem aus dem GrundstĂŒckswert von 1964 (im Westen) / 1935 (im Osten) zusammen. Dass seitdem die GrundstĂŒckswerte stark gestiegen sind und das auch nicht in allen Regionen gleich, das ist klar.  

Die Steuermesszahl

Die Steuermesszahl ist vom Bund per Gesetz vorgegeben und richtet sich nach der GrundstĂŒckart, zum Beispiel „Betriebe der Land- und Fortwirtschaft“ oder „Wohneigentum“.

Der Hebesatz

Der Hebesatz wird von der Gemeinde bestimmt. Um den Einheitswert, der ja seit Jahrzehnten gleich ist, auszugleichen und auf die steigenden GrundstĂŒckswerte einzugehen, bedienen sich die Kommunen gerne diesem Hebewert und passen ihn regelmĂ€ĂŸig an. 

Was Àndert sich mit der Grundsteuerreform?

Laut Bundesverfassungsgericht sei die Berechnung der Grundsteuer aktuell verfassungswidrig – deshalb also die Reform. Das Problem sei der Einheitswert, der seit Jahrzehnten nicht angepasst wurde und der in Zukunft durch den Grundsteuerwert ersetzt werden soll. Dieser Wert wird individuell auf den GrundstĂŒcks- und Immobilienwert berechnet. 

Der Grundsteuerwert setzt sich aus dem GrundstĂŒckswert und dem Wert des Hauses zusammen – je mehr das GrundstĂŒck und die Immobilie wert ist, desto höher wird die Grundsteuer. Auch das Alter des Hauses spielt dabei eine Rolle, in diesem Fall die sogenannte Restnutzungsdauer. Auch die theoretisch erzielbare Miete pro Quadratmeter muss angegeben werden, egal ob die Immobilie tatsĂ€chlich vermietet wird oder nicht. Und schließlich kommen auch noch die Liegenschaftszinsen hinzu, die jedoch festgelegt sind. 

Unbebaute GrundstĂŒcke mĂŒssen „nur“ anhand des Bodenrichtwertes gemeldet werden. Infos zu den Werten findet ihr hier. 

Aus all diesen Werten kann das Finanzamt dann den Grundsteuerwert berechnen. Von euch wird nur verlangt, die entsprechenden Daten zu ĂŒbermitteln. 

Info Im Übrigen orientieren sich Bayern, Baden-WĂŒrttemberg, Hessen, Niedersachsen und Hamburg nicht an dem sogenannten Bundesmodell und haben eine eigene Art der Berechnung entwickelt, zum Beispiel wird in Bayern die Grundsteuerwert nur nach Wohn- und GrundstĂŒcksflĂ€che berechnet ohne Bodenrichtwert, Alter etc..

Was ist zu tun?

Jeder EigentĂŒmer wurde oder wird vom Finanzamt angeschrieben und gebeten eine (einmalige) GrundsteuererklĂ€rung abzugeben. Berliner bekommen kein Schreiben und mĂŒssen selber an die Meldung der Grundsteuer denken.

Bis zum 31. Oktober 2022 muss diese eingereicht werden, wer die Frist versÀumt muss mit einer Strafe bis zu 0,25% der festgesetzten Steuer pro Monat rechnen. 

Folgende Dokumente solltet ihr parat haben:

  • Steuernummer
  • Aktenzeichen des Anschreibens (falls vorhanden)
  • Adresse
  • aus dem Grundbuch:
    • Gemarkung
    • Flur
    • FlurstĂŒck
    • Nummer des Grundbuchblattes
    • FlĂ€che
  • Bodenrichtwert (findet ihr hier)
  • Baujahr der Immobilie
  • Zeitpunkt der letzten Kernsanierung
  • Wohn-/NutzflĂ€che
    • DachschrĂ€ge und ungeheizte WintergĂ€rten werden nur zu HĂ€lfte angerechnet
    • Balkon & Terrasse nur ein Viertel
    • Keller, Garagen Dachboden werden nicht angerechnet
  • EigentĂŒmerverhĂ€ltnis
  • GrundstĂŒcksart
  • Anzahl der Garagen

Die Daten könnt ihr online eingeben, zum Beispiel hier: GrundsteuererklĂ€rung fĂŒr Privateigentum, alternativ auch ĂŒber ELSTER. 

Lustigerweise bekommt ihr viele dieser Daten vom Finanzamt geschickt. Da es aber keine digitale Schnittstelle gibt, an der die FinanzĂ€mter sich die Daten selber reinziehen können, mĂŒsst ihr das ĂŒbernehmen. 

Als Mieter mĂŒsst ihr zunĂ€chst nichts machen. Ihr werdet wahrscheinlich beim Inkrafttreten der Reform 2025 etwas merken, wenn eure Miete angepasst wird. 

Grundsteuerreform – Wird jetzt alles teuer?

Pauschal lĂ€sst sich das nicht sagen, denn im Prinzip werden bundesweit die Karten neu gemischt. Da jetzt jedes GrundstĂŒck individuell berechnet wird, steigen die Werte der GrundstĂŒcke in jedem Fall; in einer Region mehr, in der anderen weniger. Jedoch wurde zum Ausgleich die Steuermesszahl stark abgesenkt und auch die HebesĂ€tze sollen deutlich reduziert werden. Insgesamt sollen die Steuereinnahmen nicht steigen.

Letztendlich bleibt es abzuwarten, wie sich die Grundsteuer fĂŒr die EigentĂŒmer Ă€ndert und was der Mieter davon am Ende abbekommt. 

Habt ihr Fragen zu dem Thema? Habt ihr Tipps fĂŒr EigentĂŒmer? Was haltet ihr von der Reform? 

Euer Doc

ifeelgood

03.08.2022, 13:29 #

Reform in Deutschland: klingt nach Mehrkosten fĂŒr die Masse.

DealDoktor (Steven)

04.08.2022, 08:37 #

@Koellefornia:
NatĂŒrlich nicht! Danke fĂŒr den Hinweis. 😉

haseka

04.08.2022, 09:48 #

Seltsam,
nach aktuellem Stand zeigt mir die rote Blase ĂŒber dem Kommentare-Icon an, dass es 6 Kommentare gibt.
Wenn ich die Kommentare öffne, sind es (ohne diesen von mir) allerdings nur 3, wovon einer eine Antwort auf einen Kommentar ist.

dealomat

08.10.2022, 18:44 #

Mal berechnet: mal eben mit hoher Wahrscheinlichkeit 35 % teurer dann.
Ob der Hebesatz bei uns wirklich noch abgesenkt wird, das bezweifel ich bei dem Verhalten der Komune in der Vergangenheit.
Sollte es nicht fĂŒr ca 90% der Betroffenen zu keiner Verteuerung kommen ? Welche PolitikverkĂ€ufer hatten das im Vorfeld noch behauptet ?
Ah, schau, bei allen 7 Berechnungen in meinem nahen Bekanntenkreis sind erhebliche Mehrkosten wahrscheinlich.
Wer wohl bei den glĂŒcklichen 10% ist ? Kenne noch keinen.
WAtt ne Mogelpackung

    lexmarkz13

    08.10.2022, 19:41 #

    Ich muss das auch noch machen – fĂŒr meine Mutter auch noch – und wir wissen viele Daten gar nicht 🙈 Bin diese Woche noch auf Reha, aber nĂ€chste Woche muss ich es angreifen 🙈

dealomat

10.10.2022, 19:44 #

Mal nen TIP
Wiso Grundsteuer: Das ist eine Kundenverarsche. Die haben fast 1 zu 1 die Struktur von Elster ĂŒbernommen. Auch die ErklĂ€rungen im Programm sind teils sinnfrei. Da ist es ja in Elster teils besser erklĂ€rt. Buhl ! Mal ganz ehrlich Leute. Das grenzt fast schon an Abzocke. Da bin ich vom Wiso Sparbuch wirklich anderes gewohnt. Nur aufgrund der Erfahrungen dort hab ich mir Wiso Grundsteuer gekauft. Nee, zusammen geschustertes, eben schnell Geld verdienen damit, fast ĂŒberflĂŒssiges Programm.
Ich konnte ohne Angabe einer FA Steuernr. nichtmal final beenden. Fehlermeldung. Und was ist wenn einer gar keine Steuernummer hat ? Musste eine fiktive StNr. eingeben um zur Berechnung zu gelangen.
Und man kann nicht mit Zertifikatsdatei versenden !!!!! Nur ĂŒber ein Fintec mit weiteren persönlichen Angaben. Was ein Schrott Programm.
Wir haben die ErklĂ€rung dann ĂŒber Elster eingereicht.
Wirklich einziger Mehrwert ist die Berechnung der AquivalenzbetrÀge zum spÀteren Vergleich, ob das FA korrekt gerechnet hat.

Lescart

13.10.2022, 16:32 #

Habe es ĂŒber Elster gemacht. Neben das erklĂ€r Video laufen und immer wieder auf Stopp und eintragen. Ich fand es jetzt so kompliziert wie viele sagen. Das einzig nervige waren die ganzen Daten zusammen suchen
.

steinbrei

13.10.2022, 20:38 #

Muss ich fĂŒr die HĂ€user auf meiner Modellbahn auch eine GrundsteuererklĂ€rung abgeben? 😉

ʇɐɔ!ʇs!É„dos

13.10.2022, 21:10 #

Wenn man nötigen Unterlagen zusammengestellt hat, dauert das Ding fĂŒr 95% aller Nutzer keine 10 Minuten.

    Moritz8

    14.10.2022, 08:15 #

    Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Einfaches WohngrundstĂŒck. Ich kann nicht sagen, was es bei Gartenland, Landwirtschaft und was es noch alles gibt, so schwierig macht, aber am Ende heißt es wörtlich " nach bestem Wissen und Gewissen" ( in Schleswig -Holstein). Freibrief!

    Ansonsten finde ich als Laie, das im Formular ein Fehler drin gemacht wurde, da der Name der Quelle zur GrundstĂŒcksart in der Quelle anders heißt (wenn ich die richtige Quelle genommen habeđŸ€”)

    Supermegamaus

    17.10.2022, 05:40 #

    Das sehe ich genauso. Habe es direkt im ersten Monat gemacht und vor 2 Wochen schon den Bescheid bekommen. Wenn der Hebesatz so bleibt, wird es natĂŒrlich teurer đŸ˜€. Aber wahrscheinlich wird der Hebesatz auch noch „angepasst“

dealomat

14.10.2022, 10:11 #

Also, die Formularseiten und die zur VerfĂŒgung gestellten Hilfen sind schon wirklich mies gemacht. Ich frage mich, was fĂŒr Amateure und Nichtkönner da wieder am Werk waren. MenĂŒfĂŒhrung, Begrifflichkeiten und Fragestellungen sind nicht eindeutig und interpretierbar.
Es ist eine ErklÀrung, die Jahre nachwirken wird. Also sollte man sich sicher sein was man wo eintrÀgt. Man sollte es verstehen.
Begriffe werden aber nicht eindeutig erklĂ€rt. So habe ich ewig rechergieren mĂŒssen um alles mir interpretationswĂŒrdige zu klĂ€ren. Und das ist Einiges.
ZB. "GebÀude auf fremden Grund und Boden". Deren Hilfe dazu: "Tragen Sie hier die GebÀude auf fremden Grund und Boden ein".
Hatten die keinen Bock auf hilfreiche Hilfen ?
Wenn man sich nicht auskennt, kann es ja auch Erbpacht sein zu der man dort noch Angaben tĂ€tigen mĂŒĂŸte.
Geholfen hĂ€tte doch einfach: Hier kein Erbbau eintragen. Und: Beispiel: Ihrem Bruder gehört das GrundstĂŒck und Ihnen das Haus.
Wohl zu schwierig fĂŒr die Ersteller gewesen.
Oder: In Rubrik: Es wird von GrundstĂŒck geprochen, es sollen aber Angaben zum GebĂ€ude gemacht werden.
Also handwerklich eine 5- das Formular.

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