Amazon Key: Der Postbote mit Schlüssel zur Wohnung

Amazon Prime Kunden genießen schon jetzt viele Vorteile bei der Lieferung: Pakete werden direkt am nächsten oder sogar gleichen Tag zugestellt und in Berlin oder München sind manche Produkte schon in zwei Stunden bei euch (Prime Now). Wer dann aber bei der Lieferung nicht anwesend ist, ist auf nette Nachbarn angewiesen, die dann auch noch zu Hause sein müssen. Hier setzt man nun mit Amazon Key an, indem man Paketboten eure Tür öffnen lässt, um das Paket sicher in eurem Heim abzustellen. Die Frage lautet nun: Will ich das?

Amazon Key

Wie funktioniert Amazon Key?

Um den Service nutzen zu können benötigt ihr zwei Dinge: die neuen Amazon Cloud Cam und ein kompatibles smartes Schloss. Die Kamera dient dabei als Knotenpunkt zwischen dem Internet (über euer WLAN) und dem Schloss. Dieses ist durch das drahtlose Protokoll ZigBee mit der Kamera verbunden, welches viele weitere Smart Home Geräte nutzen. Die Kamera wird sinnvollerweise mit direkter Sicht auf die Haus- bzw. Wohnungstür montiert.

Der eigentliche Lieferprozess läuft folgendermaßen ab:

  1. Der Paketbote kommt bei euch an, scannt den Strichcode des Pakets und sendet damit eine Anfrage an die Amazon Cloud.
  2. Ist alles korrekt, bekommt die Kamera den Befehl die Aufnahme zu starten.
  3. Der Kurier bekommt daraufhin eine Benachrichtigung in seiner App und kann mit einem Wisch die Tür aufschließen.
  4. Das Paket wird direkt neben der Tür abgestellt und diese danach wieder sicher verschlossen.
  5. Ihr bekommt eine Benachrichtigung, dass die Lieferung erfolgreich war und könnt euch zur Kontrolle das Video angucken.

Um das ganze so transparent wie möglich zu gestalten und euer Vertrauen zu gewinnen, informiert euch Amazon noch zwei weitere Male. Ihr erhaltet morgens eine Benachrichtigung, in welchem Zeitfenster der Bote kommen wird und nochmals sobald dieser bei euch vorfährt. Ihr könnt dann also direkt einen Livestream starten, um alles genau zu beobachten.

Des Weiteren sollen die Kuriere klingeln bzw. klopfen bevor sie die Tür öffnen, um euch evtl. zu „warnen“ und um sich selbst vor „freundlichen“ Hunden zu schützen. Die Tür soll dann so wenig wie möglich geöffnet werden, sodass die Boten euer Heim nicht wirklich betreten. Wie das Ganze dann praktisch aussieht, zeigt dieses Video:

Kosten & Verfügbarkeit

Amazon Key ist vorerst nur in den USA verfügbar und auch dort nur in 37 Städten. Bestellen können die dortigen Kunden das Startpaket schon jetzt und bekommen es am 8. November geliefert. Ab diesem Datum ist auch die App und der Service selber verfügbar. Über 10 Millionen Produkte sollen dann über die neue Versandmethode verfügbar sein. Das Startpaket besteht aus der Cloud Cam, einem smarten Schloss und der optionalen Montage von beidem.

Amazon Key Starterset

Aktuell werden diese speziellen In-Haus-Lieferungen auch nur von Amazon Logistics durchgeführt und nicht von dritten Lieferdiensten wie UPS oder FedEX (in Deutschland dann DHL oder Hermes). Ob sich das in Zukunft noch ändern wird, lässt Amazon bisher offen.

Wie viel kostet der Service?

Der Lieferservice ist für Prime-Kunden kostenlos, das Starterset kostet allerdings einmalig $249.99 (ca. 215€). Wer also schon Prime hat und schon mit smarten Kameras geliebäugelt hat, bekommt so direkt noch den Mehrwert der besonderen Lieferart. Die Cloud Cam kann man dann noch einzeln (ca. 103€) bzw. im 2er- (ca. 172€) oder 3er-Pack (ca. 249€) nachkaufen und so sein Haus mit bis zu zehn Kameras ausstatten.

Amazon Cloud Cam

Was plant Amazon?

Amazon verfolgt mit Amazon Key in meinen Augen zwei Absichten: Einerseits soll noch mehr Komfort bei Lieferungen gewährleistet werden, denn je einfacher die Lieferung ist, desto eher bestellt man. Andererseits möchte Amazon noch mehr in den Alltag und in eure Wohnung integriert werden. Daher funktioniert die Kamera natürlich auch mit Alexa, d.h. man kann mit ihr sprechen wie mit einem der vielen Echo-Geräte. Außerdem ist es möglich, sich einen Livestream des Kamerabildes direkt auf einem Echo Show/Spot oder einem Fire TV zeigen zu lassen.

Cloud Cam Alexa

Durch das Anbieten der Cloud Cam als alleinstehendes Produkt, positioniert sich Amazon in direkter Konkurrenz zu Alphabets (Googles Mutterkonzern) Nest Kameras und anderen smarten Überwachungskameras. Genauso wie diese, bietet auch Amazon Abonnements für jene an, die größere Aufnahmearchive und bessere Überwachungsfunktionen (z.B. Zonen-Überwachung) haben wollen.

Außerdem hofft Amazon, dass Kunden den Key-Service auch in Verbindung mit den Amazon Home Services verwenden, die in den Vereinigten Staaten bereits verfügbar sind. Die Home Services sind verschiedene Dienstleistungen, wie z.B. Gassi gehen oder Hausreinigung die über Amazon gebucht werden können. Mit der Key App ist es dann auch möglich, beispielsweise Freunden dauerhaften oder zeitlich begrenzten Zutritt zu gewähren – ein digitaler Zweitschlüssel also.

Ist der Service sicher?

Wie sicher und gut der neue Service ist, wird sich kommenden Monat in den USA zeigen. Amazon versichert einem mit der „Amazon Key Happiness Guarantee„, dass sie bei Problemen und möglichen entstandenen Schäden mit euch zusammenarbeiten, um das Problem schnell zu korrigieren.

Interessant wird auch die Reaktion der Versicherer und die Frage, ob eine Hausratversicherung bei Amazon Key Problemen noch greift. Immerhin lässt man ja jemand Unbekannten einfach in seine Wohnung kommen. Des Weiteren kann natürlich auch das Hacken so eines mit dem Internet verbundenen Systems nie ganz ausgeschlossen werden.

Ob und wann der Service nach Deutschland kommt, wird stark vom Erfolg oder Misserfolg in den USA abhängen. Die entscheidene Frage ist, ob Amazon schon genug Vertrauen aufgebaut hat, um einen „Zweitschlüssel“ zu bekommen.

Was haltet ihr von Amazon Key? Reicht der Komfortaspekt für euch aus, um Amazon dauerhaft Zugang zu eurem Heim zu gewähren?

Jackenklau

27.10.2017, 15:28 Antworten Zitieren #

Ich denke Versicherung und Missbrauchsgefahr sind einfach zu große Risikien. Nichts, was ein Paket Briefkasten á la Packstation nicht lösen könnte…

rumper

27.10.2017, 15:39 Antworten Zitieren #

Never ever lass ich den „Postboten“ alleine in mein Haus. 👀

veqas311

27.10.2017, 15:53 Antworten Zitieren #

Packstation reicht doch

mossy

27.10.2017, 16:06 Antworten Zitieren #

Einfach nur geil und was juckt mich der Postbote habe doch alles auf Kamera ! xD

Karva

27.10.2017, 16:30 Antworten Zitieren #

Geile Idee! Wenn das sicher ist und klappt, ein absoluter Durchbruch.

Lucy2000

27.10.2017, 16:59 Antworten Zitieren #

Das ist ja krass aber ich könnte mir nicht vorstellen den Postboten in meine Wohnung zu lassen….

Moudy

27.10.2017, 17:02 Antworten Zitieren #

Bis die Kamera „versehentlich“ nicht funktioniert. Oder er seinen ersten Arbeitstag hat und auf so eine Einladung wartet…. also ich finde es nicht so toll.

    DealDoktor

    27.10.2017, 17:20 Antworten Zitieren #

    @Moudy:
    Das sind absolut berechtigte Bedenken. Daher können wir auch, wie ich finde, in diesem Fall mal ganz froh sein, dass der Service erstmal in den USA „getestet“ wird. Da wird sich dann zeigen, wie mit solchen Fällen umgegangen wird, sollten sie denn auftreten.
    Falls etwas in die Richtung passiert, werde ich den Artikel natürlich updaten 😉

bigjo

27.10.2017, 17:12 Antworten Zitieren #

Was ein quatsch

konkret

27.10.2017, 17:26 Antworten Zitieren #

Meine Nachbarin lässt die Boten oft in ihre Wohnung. Dauert auch manchmal ewig, bis die weiterfahren. Wahrscheinlich macht sie nen spitzen Kaffee.

Cappi

27.10.2017, 17:37 Antworten Zitieren #

@konkret: und was ist wenn es eine Postbotin ist, was gibt es dann etwa ein Bier

konkret

27.10.2017, 17:47 Antworten Zitieren #

@Cappi: Ne Botin hat die noch nie reingebeten. Hm, jetzt dämmert’s mir…

Siggi-X

27.10.2017, 17:55 Antworten Zitieren #

Für mich ein No Go! Davon abgesehen ist das Paket auch noch viel zu teuer. Man müsste ja fast täglich ein Paket bekommen damit sich das irgendwie lohnt. Viele jammern ja schon wegen der Prime Mitgliedschaft und dann noch dieses Zeug 🤔. Braucht kein Mensch!

Luther988

27.10.2017, 20:00 Antworten Zitieren #

@veqas311: Find ich auch, wenn ich nicht Zuhause bin 😉

Smiley

27.10.2017, 21:02 Antworten Zitieren #

Never ever

konkret

27.10.2017, 21:18 Antworten Zitieren #

@Smiley: Vielleicht doch mal den Flur aufräumen?

Quittinger

27.10.2017, 23:42 Antworten Zitieren #

Packstation reicht, ich bin kein Fan von solch „Unsicherheiten“

ThomasBochum

28.10.2017, 03:14 Antworten Zitieren #

ne lasst mal, wenn ich schon sehe, was da für Fahrer bei sind

konkret

28.10.2017, 03:19 Antworten Zitieren #

@ThomasBochum: 😂

gogo

28.10.2017, 09:18 Antworten Zitieren #

Ich habe mir bei der deutschen post ein paketkasten liefern lassen welchen der postbote mit seinem chip aufmachen kann. Ansonsten bei grösseren paketen haben die mein code von der garage. Da können sie mitgehen lassen was sie wollen.
Elektronik wird oft geknackt und missbraucht. So denke ich auch in diesem fall das es nur eine frage der zeit ist bis die ersten „einbruchsopfer“ zu beklagen sind. Vor allem grad in amerika wo sogar die schusswaffe zur selbstverteidigung erlaubt ist.

Wolke2017

28.10.2017, 19:10 Antworten Zitieren #

Nette Ideem aber niemals würde ich das zulassen wollen.

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