eBook: Die Verlassenen – Die Graveyard Queen Reihe

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Schon wieder eine Woche rum und Ciando verschenkt, wer hätte das gedacht, das Freebook am Donnerstag:

Die Verlassenen – Die Graveyard Queen Reihe

  • Autor: Amanda Stevens
  • Seiten: 115
  • Bewertung / Anzahl (Amazon): 3,9 / 266
  • Kopierschutz: Wasserzeichen

Kindle-eBook: https://www.amazon.de/Die-Verlassenen-Graveyard-Queen-Reihe-ebook/dp/B00D6HIGKK/

Ree Hutchins arbeitet als Praktikantin in einer Psychiatrischen Klinik. Sie kümmert sich vor allem um Violet Tisdale: eine alte Dame, die abgeschottet und allein im Südflügel der Klinik lebt. Als Violet stirbt, will Ree den Klinikleiter, den charismatischen Dr. Farrante, davon in Kenntnis setzen. Auf dem Weg zu seinem Büro hört sie mit an, wie er von jemandem erpresst wird – Es geht um Violet, die anscheinend geistig völlig gesund war und zu unrecht ihr Leben in der Klinik verbracht hat. Doch was hat der Friedhof von Oak Grove, der anscheinend ein finsteres Geheimnis birgt, mit der Sache zu tun? Ree beginnt der Sache nachzugehen. Dabei sucht sie Hilfe bei Amelia Gray, die den Friedhof Oak Grove restaurieren soll. Die Frau, die man auch >die Friedhofskönigin< nennt, und die jedes Geheimnis der Toten aufdecken kann. Dieses E-Book enthält eine Leseprobe von ‚Totenhauch‘, Band 1 der Trilogie von Amanda Stevens.

Leseprobe gefällig ?

Als Violet Tisdale verschied, saß Ree Hutchins am Bett der alten Frau und schlief, eine zerlesene Ausgabe von Ruf der Wildnis aufgeschlagen auf dem Schoß.

Ree war so erschöpft von ihrem hektischen Tagesablauf, dass sie eingenickt war, als sie in dem ledergebundenen Roman gelesen hatte, der immer auf Miss Violets Nachttisch lag. Ree fragte sich oft, wie viele Male die alte Frau die Geschichte von Buck wohl schon gehört hatte während ihrer Zeit in der Nervenheilanstalt, dem Milton H. Farrante Psychiatric Hospital. Sie war schon Mitte achtzig, und niemand konnte sich erinnern, dass sie je woanders gelebt hatte als in der geschlossenen Abteilung dieser Klinik. Abgesehen von ihrer Kleidung und ein paar Toilettenartikeln war das Buch der einzige persönliche Gegenstand in ihrem Zimmer, obwohl es in der Widmung im Einband hieß: Für meine Tochter Ilsa zu ihrem zehnten Geburtstag. 3. Juni 1915.

Das zerfledderte Buch war also mit Sicherheit ein Erbstück von irgendeinem ehemaligen Betreuer oder vielleicht auch von einem anderen Patienten, denn niemand konnte sich erinnern, wann Miss Violet zum letzten Mal Besuch gehabt hatte.

Ree wachte zitternd vor Kälte auf, als ein eisiger Lufthauch in den Raum sickerte. Die Neon-Leselampe über ihrer Schulter flackerte, und sie erinnerte sich später, dass die Uhr auf dem Nachttisch genau um 20.30 Uhr stehen geblieben war. Draußen hatte inzwischen die Abenddämmerung eingesetzt, und das hieß, dass sie fast eine ganze Stunde geschlafen hatte. Miss Violet lag da, gegen die Kissen gelehnt, mit offenen Augen, die nicht mehr sehen konnten, mit geöffneten Lippen, die für immer verstummt waren. Sie war noch nicht lange tot. Ihr Handgelenk war immer noch warm, wie Ree feststellte, als sie ihren Puls fühlte.

Ree klappte das Buch zu und legte es zur Seite, dann stand sie von ihrem Stuhl auf und rief eine Krankenschwester. Trudy McIntyre kam sofort mit einem Stethoskop und einem Spiegel, untersuchte die Tote kurz und ging dann wieder, um die zuständigen Behörden zu informieren. Da Ree nicht wusste, was sie sonst hätte tun sollen, folgte sie ihr nach draußen.

„Was ist mit den nächsten Angehörigen?“

Trudy war eine tüchtige Frau mit einem verhärmten Gesicht und müden Augen. Sie arbeitete schon sehr lange in der Anstalt. „Soweit ich weiß, gibt es keine nächsten Angehörigen. Ich denke, dass Dr. Farrante sich persönlich um alles kümmern wird. Das hält er in solchen Fällen immer so.“

Ree brauchte bloß seinen Namen zu hören, und schon begann ihr Herz zu flattern. Dr. Nicholas Farrante war nicht nur eine Nummer zu groß für sie, er war auch viel zu alt für ernsthafte romantische Vorstellungen. Doch das hinderte weder sie noch die anderen Studenten weiblichen Geschlechts der Fakultät für Psychologie an der Emerson University daran, bei jedem Wort, das er von sich gab, an seinen Lippen zu hängen. Dabei hätte Ree das Thema „Experimentelle Psychologie und der menschliche Alterungsprozess“ auf jeden Fall faszinierend gefunden, ganz egal, wer der Dozent war. Aber Dr. Farrantes Vorlesungen waren eben nicht nur wegen seines Charmes und seines Charismas etwas Besonderes; es gab auch noch andere Gründe: Seine Familie war führend auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie, bis zurück zu seinem Großvater, Dr. Milton H. Farrante, der ein Schüler von Wilhelm Wundt gewesen war, dem Begründer der modernen Psychologie.

Milton hatte die Nervenheilanstalt Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnet, und fast einhundert Jahre lang war sie eine der herausragenden psychiatrischen Privatkliniken des Landes gewesen. Ree hatte großes Glück gehabt, dass sie in diesem Haus ein Volontariat machen durfte, denn sogar die unbezahlten Posten waren hier schnell vergeben und gingen in aller Regel an die Doktoranden, deren Familien viel mehr Macht und Einfluss hatten als ihre eigene.

Als sie Trudy zu deren Schreibtisch folgte, kämpfte Ree gegen den unerklärlichen Drang an, sich umzudrehen. „Können wir wenigstens kurz in die Unterlagen schauen? Es muss da draußen doch irgendjemanden geben, der wissen möchte, dass Miss Violet tot ist.“

Mit einem lauten Seufzer schaute Trudy auf. „Mein Kind, ich arbeite seit über fünfundzwanzig Jahren in diesem Haus, und die ganze Zeit hat sich hier keine Menschenseele blicken lassen, um die alte Frau zu besuchen. Ich bin überzeugt, dass von ihrer Familie schon keiner mehr lebt. Oder es ist ihnen egal, was mit ihr ist. Jedenfalls kann ich da nichts tun. Wie schon gesagt, wird sich Dr. Farrante um alles kümmern. Er hat immer gut für Miss Violet gesorgt.“

Dem konnte Ree nur beipflichten. Miss Violets Suite – Schlafzimmer, Bad und Sitzecke – befand sich im Südflügel der Klinik, einem ruhigen, sonnigen Teil mit einem beschaulichen Blick in den Garten. Ree konnte sich gut vorstellen, wie Miss Violet jahrein, jahraus dort gesessen und dem Wechsel der Jahreszeiten zugesehen hatte. Wie sie auf den Frühling gewartet hatte und darauf, dass die Veilchen vor ihrem Fenster zu blühen begannen.

Trudy nahm eine dicke Aktenmappe von ihrem Schreibtisch und gab sie Ree. „Hier. Wenn du dich nützlich machen willst, bring das nach oben in Dr. Farrantes Büro. Er hat bestimmt schon Feierabend gemacht, also leg es einfach auf den Schreibtisch seiner Assistentin.“

Ree drehte sich um und blickte den Korridor hinunter. „Und was ist mit Miss Violet?“

„Was soll mit ihr sein?“

„Ich finde es irgendwie traurig, sie so allein zu lassen.“

Trudys Gesicht wurde weich, und mit einer mütterlichen Geste tätschelte sie Rees Arm. „Du hast alles für sie getan. Mehr als irgendjemand sonst in all den Jahren. Jetzt ist es Zeit, sie gehen zu lassen.“

Damit hatte sie natürlich recht, und Ree wusste wirklich nicht, warum der Tod der alten Frau sie so tief traf. Sie arbeitete erst seit zwei Monaten hier, und in Anbetracht von Miss Violets Alter war ihr Tod nicht unerwartet gekommen. Wenn man ihre Lebensumstände bedachte, hätten manche vielleicht sogar gesagt, er sei ein Segen. Jetzt war sie frei.

Doch Ree konnte die düsteren Gedanken und Gefühle einfach nicht abschütteln, als sie die Treppe zu Dr. Farrantes Büro im zweiten Stock hinaufstieg. Die Sohlen ihrer Turnschuhe machten ein Geräusch, das wie ein Flüstern klang, und sie drehte sich zwischendurch immer wieder um und schaute hinter sich ins Treppenhaus.

Die Außentür zu Farrantes Reich stand offen, und sie spähte kurz hinein, bevor sie eintrat. Die großzügigen Büroräume sahen ungefähr genau so aus, wie sie es sich vorgestellt hatte – dezent und geschmackvoll, von den rehbraunen Ledermöbeln bis hin zu den dicken Orientteppichen auf dem Teakholzboden.

Sie ging durch das Vorzimmer und legte die Mappe mitten auf den Schreibtisch, sodass die Assistentin sie sofort sehen würde, wenn sie am nächsten Morgen zur Arbeit kam.

Erst als Ree sich zum Gehen wandte, fiel ihr auf, dass die Doppeltür, die in Dr. Farrantes Büro führte, ebenfalls offen stand, wenn auch nur einen Spaltbreit. Als sie seine Stimme hörte, blieb sie wie angewurzelt stehen und horchte, nicht weil sie ihn bespitzeln wollte, sondern weil sie es genoss, seinem volltönenden Bariton zu lauschen.

Doch dann hörte sie eine zweite Stimme, und als sich im weiteren Verlauf der Unterhaltung herausstellte, dass Dr. Farrante außer sich war vor Wut, hatte sie zu große Angst, sich noch von der Stelle zu rühren, damit nicht das Quietschen einer losen Fußbodendiele sie verraten konnte.

„… hättest nicht herkommen sollen!“

„Oh, glaub mir, Nicholas, für das, was ich dir zu sagen habe, lohnt es sich, dass ich extra hergekommen bin. Außerdem dachte ich, ich schaue mal bei Violet vorbei, wo ich schon mal hier bin. Durch den Tod meines Vaters vor Kurzem ist mir bewusst geworden, dass sie nicht mehr lange unter uns sein wird. Ich hoffe, du bist fertig mit deiner neuesten Abhandlung.“

Ein Schauer lief Ree über den Rücken. Was hatte dieser Mann mit Miss Violet zu tun?

„Rührend, wie du dich um sie sorgst“, sagte Dr. Farrante in sarkastischem Ton.

„Ein Kompliment, das ich gern zurückgebe. Aber die Farrantes haben sich ja immer so gut um meine Tante gekümmert.“

Tante? Sie hatte also doch noch einen lebenden Verwandten. Warum hatte dieser Mann sie nicht schon früher einmal besucht?

„Sie hat hier ein langes und, wie ich glaube, zufriedenes Leben geführt“, sagte Dr. Farrante.

„Hauptsache, du kannst nachts ruhig schlafen, wenn du dir das einredest.“

„Und was redest du dir ein, damit du nachts ruhig schlafen kannst, Jared? Du oder dein Vater, ihr hättet sie jederzeit hier herausholen können. Ihr hättet sie zu euch nach Hause nehmen können.“

„Das hättest du doch nie zugelassen.“

„Du hast es ja gar nicht versucht. Machen wir uns doch nichts vor. Das Arrangement war allen Beteiligten ganz recht.“

„Das Arrangement ist der Grund, warum ich hier bin“, sagte der Mann. „Ich nehme an, du hast gehört, was sie mit dem Friedhof von Oak Grove vorhaben.“

„Wie vorhaben?“ Ganz plötzlich bekam Dr. Farrantes Stimme einen scharfen Ton.

„Camille Ashby will, dass der Friedhof restauriert wird. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, dass Oak Grove zum zweihundertsten Jubiläum für die Aufnahme ins Staatliche Verzeichnis Historischer Stätten nominiert wird. Dafür braucht sie natürlich die Zustimmung des Ausschusses. Aber du kennst ja Camille. Sie hat sehr viel Einfluss in diesen Kreisen und wird sich nicht…

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